Olympic Games Vancouver 2010: Social Media als Muss der modernen Sportberichterstattung
Sportbegeisterte, Athleten, Trainer und Organisatoren sitzen bereits in ihren Startlöchern und pendeln zwischen Nervosität und Vorfreude. In neun Tagen wird die kanadische Hafenstadt Vancouver nicht nur förmlich in einem neuen (olympischen) Licht erstrahlen, sondern auch die Blicke der gesamten restlichen Welt auf sich ziehen. Durch die Symbolik des Olympischen Feuers werden am 12. Februar 2010 die Olympischen Spiele von Vancouver eröffnet. Mit der ersten TV-Übertragung der Olympischen Spiele 1936 in Berlin hat ein neues Zeitalter der Sportübertragung begonnen. Gleichzeitig hat sich die Medienlandschaft bis zum heutigen Zeitpunkt stetig verändert. Wie wird heute, im Zeitalter des Social Web, über sportliche Großereignisse berichtet? Werden Web 2.0-Tools als neue Kommunikationsmöglichkeiten aufgegriffen? Und welche Chancen ergeben sich für Sportler, Verbände oder gar Austragungsorte?
Olympia 2.0
Obwohl die Olympischen Spiele in Vancouver 2010 ihre Tore noch nicht geöffnet haben, wollen wir vorab einen Blick hinter die Kulissen im Netz werfen. Das sportliche Medienereignis präsentiert sich im Internet sehr erfreulich. Die Homepage zeigt dem Besucher neben einem breiten Informationsportfolio zu allen Disziplinen auch die wichtigsten Social Web-Möglichkeiten als Pull-Angebote auf. So besteht die Chance, sich via einer „Vancouver 2010“ und einer „Cultural Olympiad“ Facebook-Fanseite, dreier Twitter-Accounts (@2010Tweets, @followtheflame, @code2010) oder auch mit Hilfe eines YouTube-Channels zu verknüpfen. Hier bietet sich für den interessierten User nicht nur die Möglichkeit Informationen zu konsumieren, sondern sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und User-Generated-Content zu erzeugen. Der Facebook-Auftritt ermöglicht Fans, eigenes Bildmaterial zum Thema Olympia 2010 hochzustellen oder Themen auf einer extra Plattform zu diskutieren und sich auf diese Weise persönlich einzubringen. Durch ein integriertes Online TV-Angebot werden pünktlich zum Start der Spiele auch Broadcast-Links angeboten, welche das Bewegtbildsortiment zum YouTube-Kanal abrunden.
Journalisten finden in dem integrierten Media Center alle wichtigen Sparten, mit Bild-, Video- und Textmaterial zum Thema. Einzige Kritikpunkte unsererseits sind die lediglich als Unterseite deklarierte „Paralympic Games“-Seite und das Fehlen eines Flickr- oder Picasa-Profils. Wie wichtig Usern ein solcher Account ist, zeigt eine einfache Suche auf diesen Angeboten zum Thema Olympia. Denn aufgrund des fehlenden Angebots versuchen Mitglieder selbst aktiv zu werden und durch das Gründen von eigenen Gruppen das „Defizit“ zu beheben. So könnte auf einfache Art und Weise zusätzlicher User-Generated-Content ermöglicht und eine weitere Vernetzung angeboten werden.
Vancouver 2.0
Doch nicht nur das Olympische Komitee hat die neue mediale Zeitrechnung erkannt, sondern auch der Austragungsort Vancouver zeigt, dass ihm die Relevanz des Internets durchaus klar ist. Neben der offiziellen Homepage, auf welcher zu den bekannten Städte-Informationen auch ein Facebook- und Twitter-Auftritt zählen, betreiben die Verantwortlichen der Westküstenstadt Kanadas auch das „Host City of the 2010 Olympic & Paralympic Winter Games“-Portal. Wie es sich für einen guten Gastgeber gehört, wird auf dieser Seite allen Journalisten, Interessierten und Besuchern eine umfangreiche „Online-Anlaufstelle“ geboten. Im Media Room finden sich Informationen zur olympischen Stadt Vancouver, mit dem Event-Kalender bleiben die Interessierten stets auf dem Laufenden und durch Social Media-Angebote wird ein reger Austausch ermöglicht: ein aus unserer Sicht gelungener, offener und moderner Weg, Gäste zu empfangen und zu versorgen.
Athleten 2.0
Bjørn Dæhlie, Rosi Mittermeier, Georg Hackl oder Matti Nykänen waren Idole ihrer Zeit und unangefochtene Sympathie- und Werbeträger ihres Sports. Trotz – oder gerade wegen – der damaligen Sportberichterstattung waren solche Stars zwar bekannt, aber zugleich auch unerreichbar. Durch das Web 2.0 ergeben sich aber nicht nur für die Medien neue Optionen, sondern bieten sich auch für Athleten, Verbände und Mannschaften neue Kommunikationskanäle an.
Während Alt-Stars wie Didier Cuche auf Social Media komplett verzichten, gibt es junge Sportlerinnen und Sportler wie Magdalena Neuner, Maria Riesch, Felix Neureuther, die sich an den neuen medialen Angeboten versuchen. So bieten Neuner und Riesch ihren Fans neben der bekannten Homepage auch einen Facebook-Auftritt (Neuner, Riesch). Seit November führt Felix Neureuther einen Blog, auf welchem er – leider nur sporadisch – von aktuellen Ereignissen aus dem Ski-Cirkus berichtet. Es ist schön zu sehen, dass vor allem junge deutsche Sportler sich mit dem Social Web befassen. Generell bestehen aber noch klare Defizite auf diesem Gebiet: speziell lässt sich das durch die Gegenüberstellung der Ski Austria- oder der Deutschen Skiverband-Auftritte mit dem U.S. Ski-Team-Portal belegen. Legt der deutsche oder österreichische Verband sein Augenmerk auf einen klassischen Online-Auftritt, bieten die Amerikaner eine Seite mit YouTube, Twitter und Facebook an und haben damit die Zeichen der Zeit klar erkannt.
Resüme
Der Fokus bei Sportübertragung und Präsentationen von Athleten oder Verbänden wird verstärkt auf Web 2.0-Tools ausgerichtet. Die Olympischen Spiele sind somit auch im Social Web angekommen. Speziell bei Verbänden und Sportlern ist jedoch noch viel Luft nach oben und weitere Überzeugungsarbeit notwendig.
(Bildquelle: http://www.vancouver2010.com/media-centre/)
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